Europa

"Merz, öffne der Kultur die Tür": Protest gegen Schließung des Russischen Hauses

Rund 100 Menschen haben vor der deutschen Botschaft in Moskau gegen die Schließung des Russischen Hauses in Berlin protestiert. Die Teilnehmer forderten, Kultur und Politik nicht zu vermischen, und verlangten die Wiederaufnahme der Arbeit der Einrichtung.
"Merz, öffne der Kultur die Tür": Protest gegen Schließung des Russischen HausesQuelle: Sputnik © Michail Woskressenski

Am 11. September hat vor der deutschen Botschaft in Moskau eine Kundgebung im Zusammenhang mit der Schließung des Russischen Hauses in Berlin stattgefunden. Dies berichten Korrespondenten der Nachrichtenagentur RIA Nowosti und der Zeitung Iswestija.

Die Teilnehmer wollten ihren Unmut über die Politik der deutschen Behörden zum Ausdruck bringen und forderten die Bundesregierung auf, Politik und Kultur nicht miteinander zu vermischen. Junge Aktivisten hielten Plakate mit Botschaften an Bundeskanzler Friedrich Merz und skandierten: "Ja zur Kultur, Nein zu Verboten!", "Russische Kultur ist keine Zielscheibe" und "Goethe in Moskau, Puschkin in Berlin".

Ein Teilnehmer erklärte, die Demonstranten seien zusammengekommen, um sich für den freien kulturellen Austausch einzusetzen:

"Wir sind hier zusammengekommen, um zu zeigen, dass uns die russische Kultur in anderen Ländern nicht gleichgültig ist. Wir wollen, dass auch andere Länder unsere Kultur kennenlernen und dass es in unserem Land Kulturen anderer Länder gibt."

Zugleich betonten die Teilnehmer, dass sich die Aktion nicht gegen das Goethe-Institut richte. Vielmehr setzten sie sich dafür ein, dass die Kulturen verschiedener Völker weiterhin frei kennengelernt werden können und politischer Druck nicht über Kultureinrichtungen ausgeübt wird. Die Demonstranten forderten zudem die Wiederaufnahme der Arbeit des Russischen Hauses in Berlin. Eine Teilnehmerin namens Galina sagte der Iswestija:

"Ich bin kategorisch dagegen, weil ich Großmutter bin. Ich bin sogar aus einer anderen Stadt, aus Samara, eigens angereist, um an dieser Kundgebung teilzunehmen. Damit unsere Kinder die deutsche Kultur und Sprache lernen. Ich bin nur dafür."

Hintergrund der Kundgebung sind Maßnahmen der Bundesregierung gegen russische Einrichtungen und Diplomaten. Am 1. September hatte der deutsche Außenminister Johann Wadephul die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und die Beendigung des Abkommens über die Tätigkeit des Russischen Hauses in Berlin angekündigt. Hintergrund waren Vorwürfe Berlins gegen Moskau im Zusammenhang mit einem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August gewesen.

Der russische Botschafter in Deutschland Sergei Netschajew wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als unbelegt und absurd. Die Mitarbeiter des Russischen Hauses mussten Deutschland innerhalb von sieben Tagen verlassen. Am 8. September trafen fünf Diplomaten in Weißrussland ein und reisten von dort weiter nach Russland.

Als Reaktion auf die deutschen Maßnahmen widerrief Russland am 7. September seine Zustimmung zum Betrieb des deutschen Generalkonsulats in Sankt Petersburg. Die Vertretung muss ihre Tätigkeit spätestens am 18. September einstellen. Auch die Mitarbeiter des Generalkonsulats müssen Russland bis zu diesem Datum verlassen.

Das russische Außenministerium bezeichnete den Schritt als einen weiteren Beitrag zur Zerstörung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Zudem kündigte der russische Außenminister Sergei Lawrow an, dass Moskau als Reaktion auf die Schließung des Russischen Hauses die Goethe-Institute in Russland schließen werde.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am 8. September unterdessen, ein vollständiger Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland werde nicht in Betracht gezogen.

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